MEN_Jubilaeumsbericht_190x260mm_RZ_20260903_sRGB_ES - Flipbook - Page 45
selbst die Verantwortung für sich übernehmen.
Und Verantwortung übernehmen bedeutet nun
mal, sich die richtigen Antworten zu geben.
Das geht wiederum nur, wenn ich mir zuvor auch
die richtigen Fragen gestellt habe. Und richtig
sind die Fragen erst, wenn ich weiß, nach welchen
Werten mein Leben ausgerichtet ist.
Was ist mir wichtig? Was vertrete ich? Worin
liegen meine Stärken?
Was triggert mich – und warum ist das so? Was
passiert, wenn ich binnen Sekunden aus der
Balance geführt werde? Was lässt mich innerlich
platzen? In welcher Situation möchte ich weinen,
stampfen, schreien? Was bringt mich binnen
Sekunden von 0 auf 100 – und warum?
Das passiert vorwiegend dann, wenn eine Wertediskrepanz vorliegt. Ist dies der Fall, erwacht
mein Ego und kämpft um die Wiederherstellung
einer Situation, die mir garantiert, meine Werte
wieder gewahrt zu wissen und zu verhindern,
dass jemand oder eine bestimmte Situation weiter meine Werte attackiert.
Um meine Werte exakt zu eruieren, hilft es, eine
individuelle Werteliste zu erstellen.
Dazu nimmt man zuerst eine Liste mit an die 100
Werten zur Hand, wie sie im Internet leicht zu
finden ist, und stellt sich beim Durchgehen der
Liste folgende Fragen:
Welche dieser Werte sind mir existenziell wichtig? Bei welchem Wert würde ich mich bedroht
fühlen, würde er mir genommen? Welcher Wert
macht aber nicht nur mein Sein aus, sondern was
wünsche ich auch bei meinem Gegenüber vorzufinden? Die Frage nach den eigenen Werten bezieht sich immer auf mich und meinen Nächsten.
Die Werte, die beim Nachspüren nichts in einem
auslösen, kann man getrost durchstreichen. Man
sollte sich die Arbeit aber nicht zu leicht machen.
Da es darum geht, maximal ehrlich zu sich zu
sein, kann das Freipinseln der eigenen Werte-
liste Stunden, die Überlegungen unter Umständen auch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es
könnten dabei auch Werte zum Vorschein kommen, die erst mal nicht sonderlich sympathisch
wirken. Es geht aber nicht darum, sich für Werte
zu entscheiden, die man gerne vertreten würde,
sondern genau die zu erkennen, die einen in der
Essenz ausmachen.
Konnte man die Liste schließlich auf ca. 10–15
Werte einschränken, stellt man anschließend
jeden Wert gegeneinander: 1 gegen 2, 1 gegen
3 usw. Dadurch entsteht eine Rangliste. Die Top
5 sind Ihre Hauptwerte. Nach ihnen richten Sie
Ihr Leben aus. Diese berühren Sie am meisten
und Ihr ganzes System ist unterbewusst ständig
dabei, deren Integrität zu schützen. Gleichzeitig dient Ihnen Ihre Werteliste fortan als Entscheidungshelfer für die Tasche. An dieser Liste
können Sie ablesen, warum Sie mit Ihrer Freundin zusammen sind, warum Sie den neuen Job
nicht mögen oder sich für diesen und nicht für
jenen Studiengang entscheiden sollten usw. Die
Werteliste ändert sich im Laufe der Zeit. Ganz
besonders nach größeren Ereignissen und Veränderungen im Leben. Somit ist es ratsam, sich
diese Arbeit immer mal wieder zu machen.
Eine Werteliste ist zwar kein Patentrezept, aber
in meinen Augen ein bewährtes Werkzeug für
Jung und Alt, um Ziele besser planen und das
Leben unabgelenkter gestalten zu können. Vielleicht bleibt man dadurch handlungsfähig und
kann selbstbestimmt verhindern, wie eine Münze in die Jukebox der Zufälligkeiten geworfen zu
werden.
Lieber stets der Gestalter des eigenen Lebens
bleiben als nur der Manager der eigenen Lebensumstände. Auch wenn das Schicksal einen
aus der Bahn wirft, auf schnellstem Wege wieder zu sich und zum Vertrauen zurückfinden.
„Lass dich sanft ziehen von dem, was du wirklich
liebst – es führt dich nicht in die Irre.“ – Rumi
Viel Glück.
Ihr Oliver Wnuk