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4 2 | BLICK IN DIE ZUKUNFT
Fortsetzung von S. 41
... Lernstörungen sowie Verhaltensstörungen.
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist die häufigste psychiatrische
Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Aktuellen Prävalenzschätzungen zufolge sind in
Deutschland ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren betroffen.
Durch die unumgängliche Befeuerung digitaler
Medien sorgt der ständige Dopaminschub
dafür, dass die Reizquellen nicht versiegen.
Studien deuten darauf hin, dass die Generation
Z (Gen Z) möglicherweise einen niedrigeren
durchschnittlichen IQ aufweist als vorherige
Generationen, wie Millennials oder deren Eltern.
Dies wird als ein möglicher historischer Bruch
im sogenannten Flynn-Effekt diskutiert, bei dem
die Intelligenzwerte über Generationen hinweg
stetig anstiegen. Wissenschaftler diskutieren
verschiedene Faktoren für diesen Trend. Neben
möglichen Defiziten im Bildungssystem, dem
Einfluss von Technologie und sozialen Medien
werden veränderte Lernmethoden sowie Umweltfaktoren angeführt.
Das alles klingt sehr düster und dystopisch. Und
ganz ehrlich, war es nicht immer schon so, dass
gesagt wurde: „In diese Welt setze ich keine
Kinder“? Rückblickend lässt sich, zumindest für
die letzten 80 Jahre in Deutschland, wenig
Rechtfertigung für diesen Satz finden. Heutzutage erwarten einen hingegen so viele globale,
geopolitische, klimatechnische, wirtschaftliche
und soziale Herausforderungen, dass man gar
nicht weiß, worauf man zuerst blicken soll.
In solch einer unklaren Welt, in der auf das Außen kaum mehr Verlass ist, muss jeder für sich
selbst für Klarheit sorgen. In einer Welt, in der
Vertrauen ein spürbares Risiko birgt, wirkt es
elementar wichtig, so früh wie möglich, das Vertrauen in sich selbst zu stärken. Alles dafür zu
tun, den eigenen Selbstwert zu erkennen und zu
wissen, wie man permanent auf diesen einzahlen kann.
Wer soll einem denn sonst die guten Zukunftsaussichten bieten können? Die Familie sollte
einen guten Humus zum Wachsen zur Verfügung
stellen. Schule sollte mehr fördern als fordern.
Die Gesellschaft sollte wohlwollend und stärkend auf einen einwirken und der Staat Schutz
und Sicherheit an Leib und Leben bieten.
Was jedoch, wenn Teile davon – oder gar alles
gefühlt – den Bach runtergeht und es wahnsinnig schwerfällt, einzelnen oder allen Teilfaktoren
zu vertrauen? Auf wen oder was kann ich denn
dann noch setzen?
Sind wir Eltern eine wirklich verlässliche Stütze?
Aus einer Mischung aus Sorgsamkeit und Kontrollsucht stehen wir an der Seitenlinie und zwingen uns, nicht einzugreifen. Wir wirken wie ein
Coach mit Bluthochdruck, der unseren von Cortisol geplagten und von Dopamin gejagten Kinder über das Spielfeld des Lebens manövrieren
möchte. Geprägt durch unsere eigene Kindheit,
in der man noch unangeschnallt, ohne Kopfstütze und ohne Sicherheitsgurt aus dem Italienurlaub nach Hause gurkte. Die Eltern rauchten
vorn bei geschlossenen Fenstern und die Kinder
pellten sich hinten die Haut vom Sonnenbrand.
Was heute die Helikoptereltern sind, waren damals die U-Boot-Eltern. Die haben die Kinder zwischen Mittagessen und Abendbrot ihrem eigenen Schicksal überlassen. Ganz ohne Handy und
GPS-Tracking. Dafür gab’s „’nen Satz heiße Ohren“, wenn man abends zu spät nach Hause kam.
Genau wie heute, meinten auch unsere Eltern
damals, alles gut und richtig zu machen. Wir können unsere Kinder wohlwollend begleiten, aber
sollten nicht den Anspruch hegen, auf alles die
richtigen Antworten parat zu haben. Jeder muss