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2 3 | ENT WICKLUNG JUGEND -MENTORING
Fortsetzung von S. 20
... Rahmenprogramm, aus einzelnen Besuchen
wiederkehrende Formate. Und aus der Idee,
Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen, eine wesentlich umfassendere Begleitung.
Programmleiter Thomas Strobel, der die Schulformate mitprägt, beschreibt diese Veränderung so: Früher seien die Gespräche stärker auf
berufliche Themen fokussiert gewesen. Heute
brächten Jugendliche viel mehr von dem
ein, was sie gerade wirklich beschäftigt – von
Zukunftsfragen über Partnerwahl bis zu ganz
persönlichen Erfahrungen. Gleichzeitig, sagt er,
habe sich auch der Schulalltag verändert: Social
Media, Smartphone-Nutzung oder Schulabsentismus spielten eine immer größere Rolle. Umso
wichtiger sei ein enger Austausch mit den Schulen, den er als „vertrauensvoll, offen, konstruktiv
und auf Augenhöhe“ erlebt.
Parallel dazu gewann die Arbeit auch organisatorisch an Klarheit und Struktur. Strobel nennt
die „permanente Optimierung“ rückblickend den
wichtigsten Entwicklungsschritt. Abläufe wurden
vereinheitlicht, die Kommunikation verbessert,
Moderator*innen und Regionalkoordinator*innen
entlasten seither die tägliche Arbeit.
Dass Mentor an Schulen wirkt, zeigen nicht nur
Rückmeldungen aus Schulleitung und Kollegium,
sondern auch das direkte Feedback aus den
Klassen. Eine Schülerin antwortete nach einem
Inspirationstag auf die Frage, was sie mitnehme:
„Dass man nicht aufgeben soll und immer etwas
Neues anfangen und machen kann.“ Eine andere: „Dass man so viel wie möglich ausprobieren
kann und soll“ oder „dass Geld nicht alles ist und
der spätere Beruf auch Freude machen sollte“. In
diesen Antworten steckt, worum es Mentor von
Anfang an ging: nicht Druck machen, sondern
Mut. Nicht die perfekte Laufbahn predigen, sondern zeigen, dass Umwege zum Leben gehören.
Auch die Schulen selbst benennen diese Wir-
kung sehr konkret. An der Graf-Soden-Gemeinschaftsschule heißt es, Schüler*innen profitierten „seit Beginn unserer Kooperation von den
Inspirationstagen“. Immer wieder berichten
Jugendliche, wie viel es ihnen bedeutet, wenn
Erwachsene sich in ihrer Freizeit Zeit für sie nehmen. In Lindau zum Beispiel seien einige Mentor*innen der Schule über Jahre eng verbunden
geblieben, teils seien daraus „echte Freundschaften“ entstanden. Manche engagieren sich dort
sogar über die eigentlichen Programme hinaus
als Lesepaten, im Mathematikunterricht oder bei
Bewerbungstrainings.
Zur Weiterentwicklung gehört es natürlich, auch
heute noch neue Formate zu erproben: Mit dem
Job-Experten-Talk entstand ein digitales Angebot für Berufsorientierung, das nach einer Pilotphase gemeinsam mit den Schulen angepasst
und 2024 bereits von über 200 Jugendlichen
wahrgenommen wurde. Neu hinzu kamen außerdem die Inspirationsjahre. Seit 2025 begleitet
Mentor Jugendliche an Pilotschulen nicht mehr
nur in der achten Klasse, sondern über mehrere
Schuljahre hinweg. Schul-Mentor*innen-Teams
sind mehrmals pro Schuljahr vor Ort und bieten
Workshops und Mentor-Inseln als geschützte
Räume für Gespräche und Rückzug an.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Entwicklung dieser zehn Jahre. Mentor ist an Schulen
nicht größer geworden, nur um größer zu sein.
Die Stiftung tat gut daran, genauer hinzuhören:
bei Jugendlichen, Lehrkräften, Schulleitungen
und auch gesellschaftlichen Veränderungen.
Geblieben ist am Ende eine Haltung: Was Jugendliche stärkt, sind Erwachsene, die sich nicht
in den Vordergrund stellen, aber da sind. Die
ehrlich erzählen. Die zuhören und nicht vorgeben, alle Antworten zu kennen.
Mehr zu unserem Angebot für
Schüler*innen und Schulen:
mentorstiftung.de/programme